#PsychotherapieRetten
#JetztWirdEsLaut
Ich bin Johanna, Psychotherapeutin und fassungslos: Wir alle sollen länger arbeiten, doch ausgerechnet bei der Psychotherapie wird gespart. Dabei sind gerade psychische Erkrankungen häufig Ursache für Ausfälle im Job. Es reicht: Stoppt die Honorarkürzungen in der Psychotherapie!
Die Bundesregierung betont immer wieder, dass in Deutschland zu viele Menschen krankheitsbedingt fehlen und dass die Arbeitsfähigkeit der Bevölkerung gestärkt werden müsse.
Psychische Erkrankungen gehören bereits heute zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit und Frühberentung. Gerade deshalb ist eine starke ambulante psychotherapeutische Versorgung entscheidend für die Stabilität unseres Gesundheitssystems und unserer Gesellschaft.
Umso unverständlicher ist die Entscheidung des Bewertungsausschusses, die Vergütung der ambulanten psychotherapeutischen Gesprächsleistungen zum 1. April 2026 um 4,5 % zu senken (Quelle: aerzteblatt.de).
Diese Entscheidung sendet ein widersprüchliches Signal: Während politisch gefordert wird, Krankheitszeiten zu reduzieren und die Erwerbsfähigkeit zu stärken, wird gleichzeitig genau die Versorgung geschwächt, die Menschen dabei hilft, psychische Krisen zu bewältigen, gesund zu werden und wieder am Arbeitsleben teilzunehmen.
Schon heute warten viele Patientinnen und Patienten mehrere Monate auf einen Therapieplatz. Psychotherapeutische Praxen arbeiten in vielen Regionen seit Jahren an der Grenze ihrer Kapazitäten.
Eine Abwertung der zentralen Behandlungsleistung der ambulanten Psychotherapie verschärft diese Situation weiter und gefährdet langfristig die Versorgung psychisch erkrankter Menschen.
Psychotherapie verhindert Chronifizierung, reduziert Arbeitsunfähigkeit und entlastet langfristig das Gesundheitssystem. Eine Gesundheitspolitik, die psychische Erkrankungen ernst nimmt, darf diese Versorgung nicht schwächen.
Wir fordern daher:
- die Rücknahme der Abwertung der psychotherapeutischen Gesprächsleistungen im EBM
- eine politische Strategie zur nachhaltigen Stärkung der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung
- eine Vergütungsstruktur, die der gesellschaftlichen Bedeutung psychischer Gesundheit gerecht wird
Wer fordert, dass Menschen länger gesund arbeiten sollen, darf die Behandlung psychischer Erkrankungen nicht schwächen.
Psychische Gesundheit ist keine Sparmaßnahme – sie ist eine zentrale Voraussetzung für gesellschaftliche Stabilität, Teilhabe, Wohlbefinden und Arbeitsfähigkeit.